Wie alles begann

This entry was posted on Okt 24 2011

 

Im Grunde genommen stinkt es mir granatenmäßig, daß ich mich hier im internet zeigen… präsentieren… öffentlich zur Schau stellen… ja verkaufen muß. Aber nachdem ich 18 Jahre lang, wie ein junger Hirsch von Baustelle zu Baustelle gejumpt bin, gemalert, renoviert und alte Wohnungen/Häuser saniert habe, um mein Dasein in dieser Welt zu erhalten, macht mein Körper nicht mehr so mit, wie noch mit Anfang 30. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, habe ich keinerlei Werbung für mein Buch gemacht, weil ich einfach keinen Bock mehr hatte.

 

7 Jahre lang habe ich geschrieben, natürlich nicht nonstop am Stück und ein Jahr den Text etliche Male auf Fehler und Sonstiges korrigiert. Stellt euch vor, ihr geht auf Baustellen, arbeitet euch Tag und Nacht die Hände wund und den Rücken buckelig, verdient Geld und nachdem das Projekte fertig gestellt wurde, setzt ihr euch für 3 oder 4 Wochen, je nachdem wie lange die Kohle reicht, wieder an den Computer und presst die letzten verbleibenden kreativen Hämorieden aus euren Gehirnwindungen und bringt die Story auf s Papier.

 

Eigentlich wollte ich ja ein Kinderbuch schreiben, ein ABC für Kids, die genug von Harry Potter und dem La-La-Land haben. Zu diesem Zweck fragte ich Ende der Neuziger einen begabten 19 jährigen Schüler, ob er mit mir ein paar Bilder passend zu meinen Geschichten zeichnen will. 2 Jahre lang saßen wir fast jede Nacht 6 Stunden zusammen, um Suniyam Devio, Maya Mohini, hinduistische Götter, diverse Dämonen und noch viele andere Scenen zu entwerfen. Er, der Jungster, ich nenne ihn jetzt mal Senior Bin Jo wurde immer besser. Als wir dann an dem Punkt kamen, an dem die Bleistiftzeichnungen coloriert werden sollten, kaufte ich ihm von meiner mühselig angesparten Kohle einen Appel G4, damals vor 10 Jahren, war das ein mega teures High-teck-teil.

 

Traurig aber wahr ist, daß er mich und mein Projekt dann… vergessen hat. Es gab nur noch den Mac und Ihn, alles andere war nicht mehr wichtig. Gut ich war jetzt auch nicht immer so nett zu ihm, gerade in meiner manchmal harschen Wortwahl, außerdem machte er gerade Abitur. Ich hoffe ich blapper jetzt nicht zu viel aus, aber er saß Tag und Nacht nur noch an der Kiste, 2 Jahre lang, ging nicht raus, nicht mehr zur Schule und versemmelte sogar sein sicher geglaubtes Abitur.

Nachdem man ihm nochmal ne Chance gab, holte er sein Abitur nach und bestand es. Auf Grund seines überragenden Talentes und seines selbstangelernten Appel Knowhows wurde er sofort nach der Schule von einem Grafikdesigner angeheuert und in Beschlag genommen. Danach war Anselms Bilder/Buchprojekt gänzlichst vergessen.

Also ich hatte nicht nur mein Buch zu schreiben, was mir von meinem Freund und Lehrer Matara Swami befohlen wurde, sondern ich mußte auch noch um mein tägliches Dasein bangen, Überlebenskampftechnisch! Darüber hinaus wollte ich unbedingt die Zeichnungen veröffentlichen, die leider größtenteils angefangen aber noch nicht fertig gestellt waren. Und mein Freund der Senior Bin Jo war telephonisch wie auch e-mail-mäßig nicht erreichbar. Kinners ich kann euch sagen, ich bin schier  a u s g e f l i p p t. Da versuchste was Schönes, etwas Wahres in die Welt zu setzen und was passiert? Da grätscht dir ein junger Hirsch, den du vorher mit flüssiger/gasförmiger Nahrung, Geld und Computer unterstütz hast, vollgas in die Beine und läßt dich einfach so hängen. Könnt ihr euch meine Enttäuschung vorstellen? Und was für eine Willenskraft man braucht, um sich selber und einen arbeitsscheuen, streickenden Jungster immer wieder aufs Neue zu motivieren?
Aber der eigentliche persönliche Supergau kam 2001, als sich nach 13 Jahren Beziehung, die Liebe meines Lebens von mir verabschiedete, und das ausgerechnet an meinem Geburtstag, und zwar mit den Worten:

 

Anselm ich habe kein Geschenk für dich…. aber ich schenke dir die Freiheit! Leb wohl!” Was für ein völlig ungeiler Abschied … fast schon filmreif …. oh man, hab ich geweint …… Aber wie sie immer sagte:” Heftige Leute erleben heftige Sachen.”

 

Tia, aber das alles mußte wohl so sein. Denn im Nachhinein, ergibt alles einen Sinn. Die holde Maid, die mich verließ, ist jetzt eine supergute Freundin, mit einem einzigartig genialen Humor und der junge Zeichner hat zwar immer noch keine Zeit für mich, aber er hat etwas aus sich gemacht und da bin ich echt stolz auf ihn:

 

Mittlerweile ist der Artdirektor einer Werbeagentur und Vorgesetzter von 15 Leuten, also ein ziemlich fittes Bürschchen und ein chilliger Agent… ich meine natürlich ein guter und fröhlicher Mensch.

 

Ich bin zwar leer dabei ausgegangen, aber hey scheiß drauf …. interessiert ja eh keinen, was ich geschrieben habe.

 

Wollt ihr noch mehr wissen?

 

 

 


Ein Kommentar to “Wie alles begann”

  1. HiHi Anselm.

    War eine coole Hochzeit von Andy und Sandra auf Ibiza und wir hatten ja uach recht viel Spass. Besten Dank, das Du mir Dein Buch geschenkt hast. Liest sich gut und flüssig. Würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben. Melde Dich mal auf die Email.

    Beste Grüße von der Insel. Ingmar




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